Suppenschwätzchen



Pressemitteilung

Der Regionalen Diakonie Westerwald Rhein-Lahn

Westerburg, 1. Oktober 2026

Suppenschwätzchen widmet sich großen Themen und kleinen Plaudereien

200 Gäste erleben gelungene Premiere des Projekts in Westerburg

Westerburg. Mehr als 200 Menschen haben das erste Westerburger „Suppenschwätzchen“ erlebt. Das Projekt der Regionalen Diakonie Westerwald Rhein-Lahn gemeinsam mit der Verbandsgemeinde Westerburg will Lust aufs Austauschen und Zuhören machen – und das ist an diesem sonnigen Tag gelungen, finden die Organisatoren.

Bei einem warmen Teller Suppe, den die Verbandsgemeinde kostenfrei zur Verfügung stellte, und alkoholfreien Getränken – gestiftet von der Hachenburger Brauerei – gab es auf dem Westerburger Marktplatz viel zu besprechen. Das Suppenschwätzchen ist ein Format, das ein Zeichen gegen Polarisierung und fürs Zuhören setzen möchte. Die Leute waren eingeladen, auf Augenhöhe miteinander ins Gespräch zu kommen. Auch über Kontroverses, aber immer respektvoll.

Gelegenheiten dazu gab’s viele: Zehn Stände verschiedener Akteure aus Gesellschaft und Religion nehmen sich an diesem Tag Zeit für die Fragen und Anliegen der Besucher. Wertvoll war etwa die ökumenisch organisierte Beteiligung von der Katholischen Pfarrei Liebfrauen Westerburg, der Evangelischen Kirchengemeinde Wäller Land, dem Evangelischen Dekanat Westerwald und der Freien Evangelischen Gemeinde Westerburg: Der gemeinsame Stand hat das Suppenangebot der Verbandsgemeinde um kostenlose frische Waffeln sowie Kaffee und Tee wunderbar ergänzt. Dabei gab es auch hier ein Gesprächs- und Zuhörangebot in den eigens dafür mitgebrachten Liegestühlen. Der Stand der islamischen Ahmadiyya-Gemeinde zeigte zudem die interkulturelle Komponente des Suppenschwätzchens auf. Darüber hinaus brachten sich die Berufsbildende Schule Westerburg, das Konrad-Adenauer-Gymnasium, die Jugendpflege der Verbandsgemeinde, die WeKISS-Selbsthilfe, der Verein Tausch und Plausch sowie eine Gruppe ehrenamtlich organisierter Zuhörerinnen und Zuhörer aktiv ein. Auch Bürgermeister Markus Hof und Stadtbürgermeister Janick Pape nutzten die Gelegenheit zum Austausch. „Ich freue mich über die große Resonanz, wir haben den direkten Austausch gesucht und genau diesen gefunden“, lobt Hof, „Egal ob Lob oder eine kritische Anmerkung, jede Rückmeldung war ein Dialog auf Augenhöhe.“ Jugendpflegerin Janine Fein kommt am Stand der Jugendpflege mit vielen ins Gespräch. Oft lässt sie die Leute einfach nur erzählen: „Ich glaube, dass einigen von ihnen selten zugehört wird. Manche waren mir gegenüber sehr offen und gehen mit dem guten Gefühl nach Hause, heute gehört worden zu sein.“

Zuhören. Für die Veranstalter ist das an diesem Tag besonders wichtig. Wichtiger als Diskussionen, die sich womöglich irgendwann im Kreis drehen. Damit die Gespräche dennoch in Schwung kommen, geben Bierdeckel auf Tischen Inspirationen für Gesprächsthemen. Zum Beispiel: Was können wir heute tun, damit junge Menschen eine gute Zukunft haben? Oder: Bei welchen politischen Themen möchtest Du gerne stärker mitbestimmen? An einem Tisch geht es unterdessen ums Altwerden – ein Thema, das Regina und Angela sehr bewegt. Die beiden sind in ein Gespräch vertieft, in dem sie sich fragen, wie dieser Prozess gut gestaltet werden kann. „Wir sprechen darüber, wie man sich im Alter ein Netzwerk aufbauen kann, statt zu vereinsamen“, sagt Regina. „Ein Netzwerk mit Menschen, die sich helfen und miteinander reden. Zurzeit überlegen wir, eine Gruppe in der Region zu gründen, die genau das zum Ziel hat: sich im Alter gegenseitig zu unterstützen.“

Auch junge Menschen sprechen beim Suppenschwätzchen über ihre Herzensthemen. Zum Beispiel Ole Friedrich, FSJler der Jugendpflege: „Ich wünsche mir mehr Angebote für Jugendliche vor Ort. Offene Sportplätze; Orte, an denen man sich treffen und Zeit verbringen kann. Das ist auch der Grund, warum ich mich in der Jugendarbeit engagiere.“ Auch Daniel ist engagiert. Der Schüler der Berufsbildenden Schule interviewt mit ein paar Mitstreitern die Suppenschwätzchen-Besucher für einen Podcast. Von ihnen will er unter anderem wissen, was Freiheit bedeutet. Er selbst hat dazu ebenfalls eine Meinung: „Freiheit bedeutet für mich, freie Entscheidungen treffen zu können und in Frieden zu leben.“

Nicht jedes Gespräch widmet sich heute solch großen Themen. Manche Gäste halten sich ans Motto des Tages und halten bei einer Suppe ein Schwätzchen – nicht mehr, nicht weniger. Ist doch wunderbar, finden Kristina und Katja, deren Arbeitsplatz nur wenige Meter entfernt liegt. „Endlich ist mal was los auf dem Marktplatz“, sagen sie lächelnd. „Wir finden es gut, dass es solche Gelegenheiten zum Austausch gibt. In der Gesellschaft herrscht ein Grundfrust. Der macht‘s immer schwieriger, vernünftig miteinander zu reden.“ Manche, die heute da sind, haben diesen „Grundfrust“ in sich und nutzen die Gelegenheit, ihn sich von der Seele zu reden. „Eben hatte ich ein Gespräch mit jemandem, der mir seine politische Meinung in einem Monolog kundgetan hat. Mich würde interessieren, was ihn eigentlich bewegt und hätte ihn gerne näher kennengelernt, aber dazu kam es leider nicht“, sagt Diakonie-Mitarbeiter Kai Zander, der das „Suppenschwätzchen“ gemeinsam mit seiner Kollegin Karin Klein organisiert hat. „Aber das war heute die Ausnahme. Die meisten Gespräche waren auf Augenhöhe; nicht übereinander, sondern miteinander. Das macht mich sehr glücklich. Und wir sind dankbar für das große Engagement der Verbandsgemeinde und insbesondere von Bürgermeister Markus Hof persönlich: Die VG unterstützte uns von der Konzeption über die Werbung bis hin zur Suppe nach Kräften.“

Zudem spricht das Suppenschwätzchen offenbar Menschen quer durch die Gesellschaft an, sagt Karin Klein: „Hier sind ganz unterschiedliche Leute: junge und alte, neu Zugezogene und alteingesessene oder solche mit Migrationshintergrund. Ich beobachte, dass viele der Diskussionen in eine positive Richtung gehen und dass die Menschen das wertschätzen, was gut ist.“ (bon)

 

Regionale Diakonie Westerwald Rhein-Lahn

Peter Bongard

- Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit -

Hergenrother Straße 2a | 56457 Westerburg

Telefon: 02663/9430-0 und 02663/9682-30 | Fax: 02663/9682-68

peter.bongard@regionale-diakonie.de

 

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