Der Wiesensee – mehr als nur Wasser


Es ist Zeit nochmal einen Statusbericht zum Wiesensee zu machen, damit die vielen Meinungen in den sozialen Medien sich mit Fakten beschäftigen können.

Der Wiesensee ist ein Hochwasserrückhaltebecken im Oberen Westerwald. Er umfasst rund 80 Hektar Fläche und kann etwa 1,6 Millionen Kubikmeter Wasser speichern. Er gehört zur höchsten Stauklasse – das bedeutet, dass er wegen seiner Größe und seines Gefährdungspotenzials im Schadensfall besonders strengen Sicherheitsanforderungen unterliegt. Sein Hauptzweck ist der Hochwasserschutz. Die Freizeitnutzung kommt zusätzlich dazu, ist aber nicht der eigentliche Sinn der Anlage. Gleichzeitig ist der See ein ökologisch sehr wertvoller Hotspot: Er dient als wichtiger Brut- und Rastplatz für Vögel auf dem europäischen Vogelzug.

Das Konzept der Schlammumlagerung

Im See liegen rund 190.000 Kubikmeter Schlamm. Ein Abtransport wäre weder technisch noch finanziell machbar – das wären etwa 10.500 Lkw-Ladungen, die wir weder bezahlen noch als langen Stau im Westerwald sehen wollen. Deshalb wird der Schlamm nur innerhalb des Sees umgelagert. Das ist ökologisch sinnvoll und spart enorme Kosten und Verkehrsbelastung.

Die Arbeitsschritte sind klar: Zuerst wird das Gelände gemäht. Dann wird der Schlamm mit Spezialmaschinen geschoben und gebaggert. Anschließend wird das Gelände neu modelliert. So entstehen wieder tiefere Bereiche im See und ein kleiner „Unterwasserberg“, während die äußere Form unverändert bleibt. Diese Arbeiten sind im Gange. Aktuell wird gemäht. Danach beginnen die Erdarbeiten.

Für den Betrieb des Rückhaltebeckens sind zwei wichtige Bauwerke nötig:

  • Der Mönch – ein Bauwerk zur Regulierung des Wasserabflusses – regelt den normalen Wasserabfluss und den Wasserstand. Er wurde bereits erneuert und ist wieder betriebsbereit.
  • Die Hochwasserentlastungsanlage (HWE) muss umgebaut und ertüchtigt werden. Sie sorgt dafür, dass bei starkem Hochwasser oder Starkregen das Wasser sicher über den Damm abfließen kann, ohne dass dieser überlastet wird. Die Genehmigung liegt vor. Die Bauarbeiten sollen im Herbst 2026 abgeschlossen werden.

Die Gesamtkosten der aktuellen Maßnahmen liegen in der Größenordnung von 3,9 Millionen Euro. 1,6 Millionen wird vom Land Rheinland-Pfalz gefördert.

Der Damm wird regelmäßig und gründlich untersucht. Dazu gehören Bohrungen und Gutachten. Solche Anlagen müssen alle 15 bis 20 Jahre vertieft überprüft werden. Das ist eine Daueraufgabe. Die jüngsten Untersuchungen haben die notwendige Sicherheit bestätigt.

Die ökologische Funktion

Der Wiesensee liegt in einem Landschaftsschutzgebiet und grenzt an Naturschutzgebiete, darunter das Naturschutzgebiet Seebachtal. Er ist ein wichtiger Vogelschutzbereich und ein wertvoller Brut- und Rastplatz im europäischen Vogelzug. Die Maßnahmen zur Schlammumlagerung und die spätere Wiedervernässung sollen diese ökologische Funktion stärken und sensible Bereiche besser schützen.

Die touristische Funktion

Der Wiesensee ist kein Badesee. Er dient vor allem dem Segeln und anderen Wassersportarten sowie dem Wandern und der Naherholung. Rund um den See gibt es einen barrierefreien Rundweg und weitere Angebote.

Mit den laufenden Arbeiten 2026 und dem geplanten Wiederanstau ab 2027 soll der Wiesensee seine Aufgaben als Hochwasserschutzanlage, ökologischer Hotspot und Erholungsgebiet wieder voll erfüllen können.

Ein Teil der Maschinen ist schon vor Ort und warten auf ihren Einsatz.


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